Seit der Gründung der Evangelischen Oberschule im Schuljahr 2004/2005 gehört es zum Kern unseres Leitbildes, dass wir die uns anvertrauten jungen Menschen als einzigartige, von Gott geschaffene Wesen annehmen wollen, wie sie sind. Dies umfasst auch Lernende mit offensichtlichem Anderssein: Schüler mit Sprachbehinderung, Lernbehinderung, Körperbehinderung, mit Störungen im emotional-sozialen Bereich sowie mit geistiger Behinderung werden, nach gründlicher Prüfung unserer Möglichkeiten, in den Unterricht eingebunden und in die jeweiligen Klassen integriert.

Während des gesamten Unterrichtsalltages schauen sie sich viel bei ihren Klassenkameraden ab. Die jahrelange Erfahrung zeigt, dass die Heranwachsenden mit Beeinträchtigung sowohl in kognitiver und emotionaler als auch in sozialer Hinsicht oft eine sehr positive Entwicklung erfahren.

Dies hat auf das soziale Lernen der Schüler auch klassenübergreifend sehr positive Auswirkungen und zieht bis in den normalen Alltag hinein weite Kreise. Sie gehen ganz selbstverständlich und ohne Scheu mit einem Integrationsschüler um. Dieser kann auf eine ganz „normale“ Schule gehen und schaut sich vieles von den Klassenkameraden ab, was zu enormen Entwicklungsschritten führen kann. Auch im privaten Umfeld passiert es häufig, dass man sich über den Weg läuft und somit Eltern und anderen Freunden zeigt, wie einfach es sein kann, sich gegenseitig zu respektieren und anzunehmen. 

Wir haben bereits Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen, die eine Sprachbehinderung, Lernbehinderung, Körperbehinderung (Gehen war noch möglich), emotionale Behinderung oder eine geistige Behinderung (vorwiegend Schüler mit Down-Syndrom) aufwiesen.

Aufnahmeverfahren
An der Evangelischen Oberschule werden Lernende, die in ihrer körperlichen, geistigen oder seelisch-emotionalen Entwicklung beeinträchtigt sind, integrativ unterrichtet.

Um die Entscheidung über den Abschluss eines Beschulungsvertrages treffen zu können und einen guten Übergang von der Grundschule zu gewährleisten, ist das Einreichen folgender Unterlagen bereits bei Abgabe der Voranmeldung notwendig:
- Integrationsbescheid Grundschule (LaSuB - Landesamt für Schule und Bildung)
- Entwicklungsberichte Grundschule / psychologische Gutachten über vorhandene
  Beeinträchtigungen / aktueller Förderplan
- Bescheid Sozialamt / Jugendamt über Eingliederungshilfe (Einzelfallhelfer)

Christian besucht zurzeit die 9. Klasse in unserer Oberschule. Im Unterricht und in seiner Freizeit begeistert er sich stark im Umgang mit Tieren. Er arbeitet in diesem Themenbereich Vorträge aus und gestaltet darüber sehr gern Plakate.

Christian absolvierte vor den Sommerferien verschiedene Praktika, beispielsweise in einem Seniorenheim in Oberlungwitz und in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben, um Einblicke und Erfahrungen über die Tätigkeitsfelder zu sammeln.

In dieser Zeit eignete er sich viel Wissen und Kenntnisse über das Berufsbild eines Tierpflegers an. Die Tätigkeiten haben ihm sehr viel Spaß gemacht und es wurde ihm klar, dass seine berufliche Zukunft auch in diesem Bereich liegen soll.

Susanne Hildebrandt
Integrationsassistentin

„3 x 21 - mit uns kann man rechnen“
Am 22.03.2017 unternahmen Caprice und Christian gemeinsam mit den Integrationsassistentinnen Frau Müller und Frau Hildebrandt eine Exkursion ins Beratungszentrum Kaleb, Region Chemnitz e.V. (Kooperative – Arbeit – Leben – Ehrfürchtig – Bewahren - Ja zum Leben!)

Caprice hat das Down-Syndrom. In der Grundschule wurde sie nicht integrativ unterrichtet, doch mit Beginn der fünften Klasse konnten wir ihr eine integrative Beschulung mit Angela Müller als Integrationsassistentin anbieten.
Bereits zum Kennlerntag war uns aufgefallen, wie aufgeschlossen und neugierig Caprice ihrem neuen Umfeld begegnet. Seit dem Schuljahr 2012/13 lernt sie nun in Gersdorf. Der erste Eindruck hat sich bestätigt, denn passiv zu sein, mag Caprice nicht. Wo es ihr möglich ist, möchte sie sich äußern und gestaltet zum Beispiel auch Kurzvorträge. Inzwischen hat sie nicht nur in fachlichen Belangen, sondern ebenso in den Kulturtechniken große Fortschritte gemacht.

Christian lernt seit August 2015 an unserer Schule. Er ist 13 Jahre alt und besucht die Klasse 6a. Den Übergang von der Evangelischen Montessori-Grundschule Erlbach-Kirchberg zur Evangelischen Oberschule Gersdorf bewältigte Christian durch individuelle Förderung und Betreuung sehr gut. Er fühlt sich wohl und hat seinen Platz gefunden. Christian ist immer fröhlich und guter Dinge. Diese Eigenschaften erleichtern ihm den Klassenalltag mit den anderen Schülern.
Christian und seine Klassenkameraden haben es schnell gelernt und verstanden mit dem „Anders sein“ umzugehen. Für alle gehört diese Besonderheit zum selbstverständlichen Alltag. Alle Schüler profitieren von einem gestärkten Sozialverhalten.
Christian ist im Bereich der rhythmisch-musikalischen Erziehung sowie auf kreativ-künstlerischem Gebiet begabt und begeisterungsfähig.

2010 verließ unser Integrationsschüler Fabian Richter die Evangelische Mittelschule Gersdorf. Nun arbeitet er in Lichtenstein beim „A-T-S Auto-Teile-Service Ramm“. Ich habe ihn dort besucht und seinen Arbeitsalltag begleitet. Es ist ein herrlich warmer Herbsttag. Die Luft ist frisch, die ersten Blätter fallen von den Bäumen. Aus den Toren der Werkstatt summt leise Musik. Ich treffe Fabian im Pausenraum an. Dort isst er gerade die Reste seines Mittagessens auf und putzt den Teller mit einem Löffel hastig sauber. Darauffolgend schaut er mich mit seinem typisch breiten Grinsen an und bietet mir einen Stuhl an. Der Pausenraum ist recht gemütlich eingerichtet. An den Wänden hängen Ablaufpläne für Fabian und Postkarten von seinen unzähligen Reisen. Ich sitze noch nicht richtig, da fängt er schon mit Erzählen an. Seine Pause ist nun vorbei.